ElianeReyes

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Reviews

Energie un technische sicherheit

March 1997 Badische Neueste Nachrichten

Energie und technische Sicherheit

Die 1977 im belgischen Verviers geborene Pianistin Eliane Reyes setzt nach anfänglichen Studien in Brüssel momentan ihre Ausbildung an der Hochschule der Künste in. Berlin bei Hans Leygraf fort. Beim « 5. Internationalen Wettbewerb für junge Pianisten », der im August letzten Jahres in Ettlingen stattfand, erhielt sie einen ersten Preis in der Kategorie für Teilnehmer bis 20 Jahre. Aus diesem Anlaß war sie nun eingeladen, sich mit einem Klavierabend im Asamsaal des Ettlinger Schlosses dem Publikum vorzustellen.

Ihr anspruchsvolles Programm begann mit der Sonate A-Dur op. 101 von Ludwig van Beethoven. Mit großer technischer Sicherheit und energischem Zugriff meisterte sie den lebhaften Marsch und das Finale, dessen polyphone Satzstrukturen sie klar herausarbeitete, während sie im eher lyrischen Einleitungssatz trotz sensibler Agogik die von Komponisten geforderte « innigste Empfindung » nur zum Teil verwirklichen konnte.

Auch bei den späten sechs Klavierstücken op. 118 von Johannes Brahms hatte man mitunter den Eindruck, daß die sehr sympathisch und natürlich auftretende Pianistin für vergrübelte Reifewerke alternder Komponisten vielleicht einfach noch ein wenig zu jung ist, denn obgleich sie die einzelnen Stücke durchaus musikalisch zu gestalten wußte, konnte sie die subtile Balance zwischen loser Reihung und unterschwelligem zyklischen Zusammenhang, mit der Brahms hier auf raffinierteste Weise spielt, nur zum Teil in ein schlüssiges interpretatorisches Konzept umsetzen.

Die furiose Wiedergabe des Rondo capriccioso op. 14 von Felix Mendelssohn-Bartholdy, mit dem sie das Konzert nach der Pause fortsetzte, war dann allerdings rundum gelungen. Nach der gravitätisch genommenen Einleitung schlug sie im schnellen Teil ein wahrhaft halsbrecherisches Tempo an. Bei der abschließenden Sonate h-Moll op. 58 von Frédéric Chopin überzeugte sie nicht nur bei den dramatischen Abschnitten, sondern auch in den lyrischen Momenten. So gelang ihr der hier an drAitter Stelle stehende langsame Satz, ein melodisch sich verströmendes Largo, mit großer Klangschönheit und sehr organisch wirkender Phrasierung. Nach dem virtuosen Finalsatz der Sonate bedankte sich Eliane Reyes dann noch mit Chopins träumerischer Nocturne Des-Dur op. 27, Nr. 2, bei ihren Zuhörern für den herzlichen Applaus.